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Europäische Netzbetreiber drängen Brüssel zum Aufweichen des Digital Networks Act

Orange und andere europäische Betreiber forderten die Europäische Kommission auf, die Regeln des Digital Networks Act zu entschärfen, und nannten eine Lücke von 475 Milliarden Euro.

Europäische Netzbetreiber drängen Brüssel zum Aufweichen des Digital Networks Act

Orange und andere große europäische Telekomunternehmen haben die Europäische Kommission aufgefordert, den Entwurf des Digital Networks Act zu entschärfen. Die derzeitigen Regeln seien widersprüchlich, so die Unternehmen. In ihrem offenen Brief beziffern die Unterzeichner zudem die mobile Investitionslücke, die Europa ihrer Ansicht nach noch schließen muss, auf 475 Milliarden Euro.

Frequenzregeln stehen im Zentrum des Briefs

Die Unternehmen wollen wiederholte Frequenzauktionen abschaffen. Diese Auktionen hätten die Branche in zwölf Jahren 110 Milliarden Euro gekostet. Stattdessen sollen Frequenzlizenzen grundsätzlich keine feste Laufzeit haben; in Ausnahmefällen solle eine Mindestdauer von 40 Jahren gelten.

Außerdem soll die Europäische Kommission dafür sorgen, dass der Digital Networks Act ihrem Grundsatz der Design-Simplizität folgt. Der gleiche Brief fordert weniger Regulierung und Bürokratie, mehr Harmonisierung und mehr Spielraum für Investitionen und Innovation.

Fristen für die Kupferabschaltung sind ein weiteres Ziel

Die Unterzeichner wollen nicht, dass Regulierer eine Frist für die Abschaltung von kupferbasierten Festnetzen vorgeben. Ihrer Ansicht nach sollte der Übergang zu Glasfaser vom Marktbedarf und nicht von regulatorischen Vorgaben bestimmt werden.

Diese Position steht neben ihrer breiteren Forderung nach Gigabit-Konnektivität für alle, Standalone 5G für die Industrie sowie Investitionen in Satelliten und Unterseekabel. Die Unternehmen sagen zudem, dass das europäische Telekom-Ökosystem 5 % des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union beiträgt und die Netzbetreiber jährlich 64 Milliarden Euro investieren.

Konsolidierung und Geräteersatz bleiben im Fokus

Der Brief fordert außerdem eine Lockerung des Kartellrechts, damit Marktkonsolidierung und grenzüberschreitende Fusionen paneuropäische Player hervorbringen können. Das ist Teil derselben Forderung nach mehr Flexibilität bei Investitionen, Lizenzierung und Fusionskontrolle.

Bei der Sicherheitspolitik warnen die Unternehmen, dass der Austausch chinesischer Telekommunikationsausrüstung bis zu 40 Milliarden Euro kosten könnte. Im Artikel werden Huawei und ZTE als die Ausrüster genannt, die von dem Verbot für Lieferanten aus Hochrisiko-Drittstaaten betroffen sein könnten.

Lesestoff für Frequenz- und Netzpolitik-Teams

Der Brief liefert Netzpolitik-Teams einen klaren Maßstab dafür, was Europas größte Betreiber ändern wollen: länger geltende Frequenzrechte, keine erzwungenen Termine für die Kupferabschaltung und lockerere Fusionsregeln. Zugleich beziffert er den Kapitalkonflikt mit der Investitionslücke von 475 Milliarden Euro und der 40-Milliarden-Euro-Rechnung für den Austausch chinesischer Ausrüstung.

Quellen